Die Region - eine kurze Landschaftsgeschichte

Die Region Burgwald-Ederbergland überdeckt zwei Naturräume, den Burgwald als Teil des Westhessischen Berg- und Senkenlandes und das Ederbergland als Teil des nordwestlich angrenzenden Ostsauerländer Gebirgsrandes. Beide Naturräume sind durch die Eder voneinander getrennt. Der Burgwald, eine weithin ebene, zwischen 350 und 450 üNN gelegene und gewässerarme Buntsandsteintafel, unterscheidet sich geologisch deutlich vom Ederbergland, dessen überwiegender Flächenanteil von karbonischen Grauwacken und Tonschiefer gebildet wird. Am Talhang zur Eder findet sich auch Zechstein. Eine Fülle von Bächen, Quellen und Flüssen mit periodisch starker Wasserführung durchschneiden hier flachere, dem Landbau zugängliche Senken sowie bewaldete Rücken, Kuppen und Bergplatten. Die Böden sind meist sauer und flach- bis mittelgründig, in Zechsteingebieten auch basen- und nährstoffreicher. Die Bundsandsteine des Burgwalds hingegen verwittern zu sauren, basen- und nährstoffarmen Böden. Nur an den Talhängen, an denen sich mehr oder weniger mächtige Lehmauflagerungen befinden, eignen sich diese Böden für eine landwirtschaftliche Nutzung.

Klimatisch weist die Region ein Gefälle von den höher gelegenen, kühlen und feuchten Bergarealen in der Gemeinde Bromskirchen (5-6°C Jahresmittel der Temperatur und 1100-1200 mm Jahresniederschlag) bis hin zu den relativ warmen und trockeneren Anteilen im südlichen Burgwald (8-9°C Jahresmitteltemperatur und 500-600 mm Jahresniederschlag) auf. Diese klimatischen Verhältnisse bedingen neben den vorherrschenden Bodeneigenschaften auch die Standorteignung für eine land- bzw. forstwirtschaftliche Bodennutzung.

Die landschaftliche Besonderheit des Burgwalds liegt in der hohen Arten- und Lebensraumvielfalt aus vermoorten Talzügen mit seinen Hoch,- Übergangs- und Niedermooranteilen. Nasswiesen und naturnahe Bächen sowie (Misch-)Wald- und Heckenkomplexen, die in einem großflächigen Biotopverbund miteinander vernetzt sind, ergänzen die Naturschätze des Burgwalds. Hinzu kommt aufgrund der geomorphologischen Lage im Regenschatten des Rothaargebirges ein ungewöhnliches Klima, das sowohl das Vorkommen von atlantischen, kontinentalen wie auch borealen Tier- und Pflanzenarten ermöglicht. Aus diesen Besonderheiten resultiert eine Vielzahl von bundes- und europaweit bedeutenden Schutzgebieten.

Eingebettet in weite, kaum zerschnittene Laubwälder erstreckt sich innerhalb des Ederberglandes das ungewöhnlich intakte Fließgewässersystem der oberen Eder und ihrer Nebenbäche. Dank hervorragender Wasserqualität und vielgestaltiger Gewässerstruktur kommen etliche vom Aussterben bedrohte, gewässergebundene Tierarten vor, z.T. mit nur wenigen weiteren Fundstellen in Mitteleuropa. In den Auewiesen, die stellenweise ungedüngt sind und nasse wie trockene Sonderstandorte enthalten, haben viele gefährdete Pflanzen- und Tierarten bedeutende Restvorkommen. Ergänzt werden die besonderen Lebensräume der Teilregion durch die für Schieferböden typischen Heiden, Hutungen und Magerrasen.

Schutzwürdigkeit des Burgwalds

Die überregionale Schutzwürdigkeit des Burgwalds begründet sich in einem zentralen Moorbereich und einem Netz aus vermoorten Tälchen, das einen weitgehend unzerschnittenen Waldkomplex durchzieht, und für das die Region auch aus europäischer Sicht eine besondere Verantwortung besitzt. Die Entstehung der verschiedenen Moortypen ist bei einer Niederschlagssumme von nur 500-600 mm/Jahr als aussergewöhnlich hervorzuheben.

Der Wald selbst ist durch jahrhundertelange Bewirtschaftung entstanden, weist aber in einigen Bereichen, die mit älteren Buchen bestockt sind und als Naturwaldzellen heute näher erforscht werden, auch naturnähere Ausbildungen auf. Ergänzt werden diese Naturwaldzellen durch kleinflächigere Altholzinseln, in denen Bäume älter als ihre Nachbarn werden dürfen.

Das Mosaik aus vermoorten Tälchen und zentralem Waldbereich umgeben grünlandreiche Auen verschiedener Fließgewässersysteme, deren Quellen mit Ausnahme von Wetschaft und Rotem Wasser in den Wäldern der angrenzenden Naturräume liegen. Obwohl diese Gewässer in der Vergangenheit z.T. durch menschliche Tätigkeiten stark verändert wurden, sind einige Abschnitte heute noch Lebensraum seltener und bedrohter Arten.

Schutzwürdigkeit des Ederberglands

Die überregionale Bedeutung des Ederberglands liegt in dem großflächig zusammenhängenden altholzreichen Buchenwaldgebiet, das durch das naturnahe Fließgewässersystem der Eder mit landschaftlich reizvollen, ökologisch hochwertigen Waldwiesentälern durchzogen wird. Eine reich strukturierte und grünlandreiche bäuerlichen Kulturlandschaft mit bunten Bergwiesen ergänzt den Landschaftscharakter.

Die geologisch, kleinklimatisch und bodenkundlich begründete Standortvielfalt im Ederbergland, die z.T. schwer zugänglichen Steillagen, die Siedlungsferne und die gute Ausprägung der Lebensräume bedingt bedeutsame Restvorkommen von Raritäten der Pflanzen- und Tierwelt. Diese Qualitätszeiger erreichen im überregionalen Vergleich weit überdurchschnittliche Populationsdichten.

Neben den Wäldern und Bächen ist das Ederbergland auch reich an Heideflächen. Sie sind Relikte tradioneller Bewirtschaftung der flachgründigen Hänge mit Rindern, Schafen oder Ziegen und beherbergen trockenheitsresistente und weidefeste floristische Spezialisten sowie eine Reihe daran angepasster Tierarten, wie z.B. den Kleinen Heidegrashüpfer und den Neuntöter.

Biologische Vielfalt

Die Region Burgwald-Ederbergland weist eine hohe biologische Vielfalt auf. Prägend sind die unterschiedlichen, eng verzahnten Lebensraumtypen der Wälder, die weitgehend unverbauten, naturnahen Fließgewässer des Edereinzugsgebietes, die Übergangsmoore und Nasswiesen des Burgwalds sowie die Heiden, Wacholderbestände, Borstgrasrasen und mageren Flachlandmähwiesen des Ederberglandes. Diese hohe Vielfalt an schutzwürdigen Lebensraumtypen bedingt auch eine hohe Artenvielfalt mit z.T. bundesweit herausragenden Vorkommen.

Die naturräumliche Artenvielfalt und deren naturschutzfachliche Bedeutung wurden bereits früh erkannt (Zusammenfassend für den Burgwald: Mothes-Wagner 1995) und führte bis 1995 zur Ausweisung mehrerer Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete. Im Rahmen der Umsetzung des NATURA 2000-Schutzgebietsnetzes wurden viele dieser bestehenden Schutzgebiete in die neue Schutzkategorie übernommen. Hinzu kamen weitere schutzwürdige FFH-Gebiete sowie mehrere, z.T. regionsübergreifende Vogelschutzgebiete.

Nach Darstellung des Bundesamts für Naturschutz (BfN)(Landschaftssteckbriefe 2012) stehen etwa 58,67 % der Fläche des Landschaftsraums Hinterländer Ederbergland-Frankenberger Grund-Waldstruth, zu denen die Teilregion Ederbergland gehört, und 55,06 % der Fläche des Burgwalds unter Schutz

Die Region zählt zu den bedeutenden Kernräumen des hessischen Biotopverbunds und enthält mehrere unzerschnittene Räume <50 qkm. Auch aus bundesweiter Sicht ist die Region ein Schwerpunkt der besonders schutzwürdigen Landschaften (BfN 2012).

In den letzten Jahren hat das Thema biologische Vielfalt auch in den Kommunen einen besonderen Stellenwert erhalten. So ist die Stadt Kirchhain Mitglied im Bündnis ‘Kommunen für biologische Vielfalt’. Weitere Kommunen diskutieren derzeit einen Beitritt. Die Region selbst ist assoziiertes Mitgied in diesem Bündnis, um so die besondere biologische Vielfalt auch nach außen dokumentieren zu können.

Naturschätze

Der besonderen Schutzwürdigkeit der Region Burgwald-Ederbergland wird durch die Einrichtung verschiedener Schutzgebiete Rechnung getragen. Bereits Mitte der 1980er Jahre wurden die vermoorten Talzüge und der zentrale Moorkomplex im Rahmen des ‚Pilotprojekts Burgwald’ als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Umgeben wurden diese besonders schutzwürdigen Bereiche mit einem Landschaftsschutzgebiet als Pufferzone.

Mit Aufnahme der Naturschutzgebiete, von Naturwaldreservate und weiterer schutzbedürftiger Flächen in das europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000 sowie der Einrichtung von EU-Vogelschutzgebieten für die zentralen Waldbereiche wurde die besondere Bedeutung der Region Burgwald-Ederbergland für das europäische Naturerbe hervorgehoben. Ergänzt wird das Schutzgebietsnetz NATURA 2000 in unserer Region durch die obere Eder, Wetschaft und Wohra sowie einige Teilbereiche der Wohraaue als Lebensraum für gefährdete Fische, Schmetterlinge und Heuschrecken.

Die Aufnahme von Landschaftsausschnitten in das Schutzgebietsnetz NATURA 2000 verdeutlicht die Verantwortung Deutschlands – und damit auch von uns vor Ort – für den Erhalt der Lebensräume und Arten in der Region Burgwald-Ederbergland noch einmal in besonderer Weise. Insgesamt sind iin der Region etwa 45.000 ha als Naturschutz- oder NATURA 2000-Gebiet gesichert – etwa die Hälfte der gesamten Naturraumfläche.